Vier Linden
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www.bf-vln.de - FTZ der DB 04.09.2003
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Forschungs- und Technologiezentrum der DB 04.09.2003

Das Forschung- und Technologiezentrum der DB (FTZ) in München erforscht das Transportsystem Eisenbahn.
Dies sind in erster Linie grundlegende Dinge, wie zum Beispiel Schallschutz oder das optimieren der Strecken, aber auch das Zusammenspiel von der Oberleitung mit dem Stromabnehmer bei hohen Geschwindigkeiten.
Genau dadurch kamen wir überhaupt auf die Idee das FTZ zu besuchen. Ich habe bei meiner Facharbeit auf Forschungen des FTZ zurückgegriffen, wodurch ich wusste dass dort ein Stromabnehmerprüfstand steht, mit dem die Bewegung der Fahrleitung simuliert wird. Frau Cordes, meine Physiklehrerin, hatte die Idee dass wir uns den ja mal anschauen könnten, während wir auf Kursfahrt in München sind. Ich habe daraufhin den Besuch organisiert.
Von Frau Ortbauer der DB habe ich ein vorläufiges Programm per e-mail bekommen, das wie folgt aussah:
09:30 Einführung DB Systemtechnik
10:00 Vortrag Aerodynamik
10:30 Stromabnehmerprüfstand / TC Simulator
11:00 TC Simulator / Stromabnehmerprüfstand
11:30 Schallmesswagen
Die Einführung DB Systemtechnik war ein Vortrag über die Konzernstruktur und die Funktion des FTZ, vor allem im Hinblick auf die anderen Bereiche der DB. Ausserdem zeigt man uns einen Film über neue Sicherungssysteme bei der Bahn, die europaweit eingesetzt werden sollen, um Hochgeschwindigkeitszüge problemlos über die Grenzen fahren zu lassen. Derzeit haben diese noch mehrere Sicherungssysteme (für jedes Land ein eigenes) eingebaut, das dann beim Überfahren der Grenze umgeschaltet wird.
Danach wurden wir von einem Angestellten über ärodynamische Probleme informiert. Er hat uns zuerst auf dem Flur empfangen, was recht lustig war da der Flur eigentlich viel zu klein für unsere Schülergruppe war und wir ihn somit komplett versperrt haben. Unter Ärodynamik stellten wir uns vornehmlich das Optimieren der äusseren Form eines Zuges für hohe Geschwindigkeiten vor, doch gab es auch noch andere Aspekte, zum Beispiel Seitenwindanfälligkeit moderner Züge, die dann mit einem Computer simuliert wurden. Man hat uns hiervon Grafiken gezeigt.
Das wohl Interessanteste war jedoch ein Versuch den man durchgeführt hat, um zu erforschen was passiert wenn Züge mit 300km/h durch Tunnels fahren. Es gibt hierbei unter Umständen Probleme, weil sich eine Druckwelle bildet die an verschiedenen Stellen des Tunnelprofils verschieden schnell ist, und somit immer steiler wird. Die Welle kann unter Umständen einen Überschallknall am Ende des Tunnels hervorrufen. Da dieser Effekt nur Eintritt wenn der Zug in einem engen Tunnelprofil fährt, und nicht in grossen (zweigleisigen) Tunnels, hat man zwei ICE 3 mit 300km/h parallel durch einen Tunnel fahren lassen, um das Phänomen erforschen zu können. Hiervon hat man uns Tonaufnahmen vorgespielt.
Danach wurde unsere Gruppe aufgeteilt, weil zwei weitere Forschungseinrichtungen besser in kleineren Gruppen zu besuchen wären. Wir haben uns als erstes den Stromabnehmerprüfstand angeschaut. Man hat uns zuerst das Funktionsprinzip erklärt, dass Daten der echten Oberleitung aufgezeichnet werden und digitalisiert werden, und dass dann anhand dieser Daten der Prüfstand die Oberleitung simuliert und man messen kann, wie gut ein Stromabnehmer bei der Bewegung mitgehen kann.
Man hat uns ein- und dieselbe Strecke mit dem gleichen Stromabnehmer zweimal vorgeführt. Einmal war der Stromabnehmer nur passiv, beim zweiten Mal wurde der Anpressdruck aktiv nachgeregelt und somit dafür gesorgt, dass er stets gut an der Oberleitung anlag. Dieser Unterschied war gut auf den Messcomputern zu sehen.
Ausserdem zeigt man uns ein Video einer Testfahrt, bei der ein Ausleger eines Oberleitungsmasten von einem Stromabnehmer berührt wurde, der sodann kaputt ging und die Oberleitung mit herrunter riss. Sehr Eindrucksvoll! Man zeigte uns auch ein kaputtes Schleifstück eines Stromabnehmers, das bei einem ähnlichen Fall zu Bruch ging.
Daraufhin war dann fliegender Wechsel angesagt, wir gingen zum TC sim, und die Gruppe vom TC sim kam zu dem Stromabnehmerprüfstand. Leider konnten wir uns alle nichts unter dem Begriff TC sim vorstellen. Wir waren also alle erstmal skeptisch.
Dort angekommen erwartete uns ein grosser Kasten, der auf Hydraulikpumpen stand. In ihm war ein kompletter Führerstand eines ICEs nachgebaut, mit dem getestet wurde wie Lokführer auf verschiedene Situationen reagierten.
Wir durften alle einmal Platz nehmen und den ICE steuern. Die Ersten hatten Problem mit der Sifa, dies ist ein System, das kontrolliert ob der Lokführer noch reagiert. Er muss im Minutentakt seine Füße von einem Fußschalter heben oder einen Knopf drücken. Wenn er dies nicht tut, wird eine Notbremsung eingeleitet, bei der der Simulator stark nach vorne geneigt wird um die beim Bremsen auftretenden Kräfte zu simulieren.
Am Ende wurde auch noch einmal auf LZB, die Linienzugbeeinflussung umgeschaltet, sodass Frau Cordes praktisch gar nicht mehr fuhr... Sie durfte nur mehr die Sifa bedienen, der Rest geschah automatisch.
Danach ging es zurück in den Vortragsraum und ein weiterer Referent hat uns über die Problem mit Geräuschen erzählt. Es ging in erster Linie darum, wie man das System Rad-Schiene möglichst Leise machen könne. Hierbei kommen Verfahren wie zum Beispiel das büG zum Einsatz, das besonders überwachte Gleis. Das Gleis wird regelmäßig auf Unebenheiten untersucht und glatt geschliffen, genauso die Räder der Fahrzeuge, sodass die Rollgeräusche minimiert werden.
Ausserdem wurden uns neue Bremssysteme vorgestellt. Früher wurden alle Fahrzeuge mit Stahlklötzen die auf die Stahlräder wirkten gebremst, heutzutage wurden schon viele Wagen auf Bremsklötze aus speziellem Kunststoff umgerüstet, der die Oberfläche der Räder beim Bremsen nicht mehr anrauht. Als derzeit leisestes Bremssystem sind Scheibenbremsen im Einsatz, allerdings nur bei wenigen neuen Wagen, und noch nicht bei Güterwagen.
Den Besuch beim FTZ fanden wir alle sehr interessant, vor allem weil das was uns gezeigt wurde sehr praxisnah war - die Bahn kennt jeder aus dem normalen Alltag, aber über die Technik und die Probleme dabei weiss niemand Bescheid.
Nett war auch noch dass ein paar Tage später als wir wieder gemeinsam Zug fuhren und dieser recht hart bremste auf einmal das Wort Sifa in der Luft lag...
Ein Foto von www.bf-vln.de
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Letzte inhaltliche Änderung: 03.11.2003, Tobias Meyer, website.2017@bf-vln.de.
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